Agriterra-Erfarung von Jan Fledderus: ‚Schön, sich mit seinem Wissen sinnvoll für die Welt einzusetzen‘

12-12-2018

Agriterra und ForFarmers arbeiten seit 2017 zusammen, um Bauernverbände in aufstrebenden Ländern bei der Professionalisierung zu unterstützen. Seitdem hatten verschiedene Mitarbeiter von ForFarmers die Möglichkeit, ihr Wissen für Beratungsaufgaben von Agriterra zur Verfügung zu stellen. Drei Kollegen waren in November/Dezember im Auftrag von Agriterra unterwegs. Jan Fledderus, Innovation Manager Piglets im Nutrition Innovation Centre von ForFarmers, ist gerade von einer Woche in den Philippinen zurückgekehrt. Er hatte die Aufgabe, die Wettbewerbsfähigkeit einer Genossenschaft im Bereich Ernährung zu verbessern.

Eine gute Möglichkeit und Herausforderung

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„Als ich auf unserem Intranet den Aufruf von ForFarmers und Agriterra gelesen habe, sich mit seinem Wissen sinnvoll für die Welt einzusetzen, dachte ich sofort: Sehr schön, vor allem, wenn das in aufstrebenden Ländern möglich ist“, beginnt Jan Fledderus enthusiastisch zu erzählen. „Außerdem ist es eine sehr gute Möglichkeit und Herausforderung, Erfahrungen in einem anderen Land und in einer völlig anderen Kultur zu sammeln.“

25.000 Mitglieder

Jan: „Ich durfte für eine Genossenschaft in den Philippinen untersuchen, wie sie über den Bereich Ernährung ihre Wettbewerbsfähigkeit verbessern kann.“
Die betreffende Genossenschaft wurde vor 50 Jahren in einer Region gegründet, in der viele sogenannte „Backyard Farms“ liegen: Betriebe mit Ställen hinter dem Wohnhaus, mit etwa 100 - 200 Mastschweinen. Mittlerweile hat die Genossenschaft ca. 25.000 Mitglieder.
„Das sind nicht alles Schweinezüchter. Man kann auch als Bürger oder Verbraucher Mitglied sein, denn die Genossenschaft liefert ein umfangreiches Paket: von Agrarprodukten bis Benzin und alles dazwischen. Meine Aufgabe bezog sich übrigens nur auf den Teilbereich Schweine. Futtermittel sind nämlich ihre wichtigste Aktivität. Ihre Fabrik stellt zu 90% Schweinefutter her.“

Eine Woche... Wie gehen Sie das an?

Am ersten Tag werden die Aufgabe und die gegenseitigen Erwartungen miteinander besprochen. Die Genossenschaft hatte 3 Fragen: Wie können wir über die Rezeptur unsere Wettbewerbsfähigkeit verbessern? Welche alternativen Rohstoffe gibt es zu Mais? Wie können wir ein professionelles Netzwerk aufbauen, um das Ernährungsteam in unserem Unternehmen zu stärken?
Jan: „Es ist wichtig, sich auf die Ziele zu konzentrieren, die miteinander besprochen wurden. Ich habe deshalb unser VIDA-Konzept verwendet und mich auf die Rohstoffqualität, den Produktionsprozess, die Rezeptur und die Kenntnisse über die Anwendung konzentriert. Diese Elemente habe ich mit dem jeweiligen Team analysiert, um herauszufinden, wo Quick Wins realisierbar sind.“

Um eine gute Analyse zu erstellen, wurden die Fabrik, das Labor und ein Schweinezüchter besucht. Jan: „Man betrachtet die kritischen Faktoren und Verbesserungsmöglichkeiten: Wie verläuft der Rohstoffeingang und wie ist die Qualität? Aber auch: Welche Methoden sind im Labor verfügbar? Wie wird mit Qualitätsanalysen und mit der Qualitätssicherung von Rohstoffen umgegangen?“

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Hitzestress

Gemeinsam mit u. a. einem Tierarzt und zwei Ernährungswissenschaftlern besuchte Jan einen Sauenbetrieb mit 500 Sauen, der Eigentum der Genossenschaft ist. „Ein Sauenbetrieb in den Philippinen ist wirklich TOTAL anders als ein Sauenbetrieb in Westeuropa. Dort hat man es mit einem tropischen Klima und Temperaturen von 30-35 Grad zu tun. Dies‘ hat Folgen für die Ferkelproduktion und -qualität. Auf ihre Art und Weise sind sie auf einem guten Weg, aber noch sehr elementar. Man merkt, dass Wissen und Erfahrung fehlen. Sie legen beispielweise Sauen mit Hitzestress vor einen Ventilator, der auf der höchsten Stufe bläst, mit dem Ziel, die Sau zu kühlen, doch eine Sau schwitzt nicht wie ein Mensch. Der Ventilator ist deshalb nicht effektiv. Eine Sau kühlt man mit frischem Wind an der Nase oder durch Wasserverneblung. Der Ventilator hat tatsächlich einen negativen Effekt, denn Ferkel vertragen keine Zugluft. Das gehört bei uns zu den Grundkenntnissen, dort aber nicht. Sogar der Tierarzt wusste es nicht. Sie sind jedoch Diskussionen gegenüber offen und sehr lernbegierig. Mit relativ einfachen Änderungen können sie schnell konkrete Verbesserungen von 10 bis 20% realisieren. Das ist schön.“

Können Sie in einer Woche auch tatsächlich etwas vermitteln?

Die Woche wurde mit einem Abschlussbericht mit Empfehlungen und Aktionsvorschlägen abgeschlossen. Deren Umsetzung liegt bei der Agriterra-Organisation in den Philippinen. Darin werden sowohl lokale Mitarbeiter von Agriterra als auch Mitarbeiter der Genossenschaft einbezogen. „Damit ist sicher, dass es nicht bei Empfehlungen bleibt“, so Jan. „Es war ein junges und enthusiastisches Team mit einer offenen und angenehmen Arbeitseinstellung. Hier war die Kultur wirklich sehr entspannt. Es war schön zu sehen, dass eine positive und offene Arbeitseinstellung in einem Team tatsächlich der Schlüssel dafür ist, etwas voranzubringen. Und ja, die Verbesserungspunkte, die ich nur in dieser Woche bereits hinsichtlich der Rezeptur angegeben und mit ihnen besprochen habe, sind sofort umsetzbar. Und sie führen zu einer Einsparung von 22 Millionen Pesos, rund 350.000 Euro, pro Jahr!“

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Was hat Ihnen die Woche gebracht?

„Es ist wirklich sehr beeindruckend, sich an einem solchen Projekt beteiligen zu dürfen. Es ist - ungeachtet der Tatsache, dass es eine Aufgabe ist - auch ein Abenteuer. Man kommt an Orte, die man als Tourist nie gesehen hätte. Und man wird sich bewusst, wie gut wir es hier haben...“

Noch eine lustige Anekdote?

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„Die Entladung eines Autos mit Rohstoffen ist bei uns nicht so spannend, aber dort ist es eine Attraktion: Es kommt ein Pick-up voller Säcke zu 50 kg, 8 Stück liegen übereinander. Ein paar Leute klettern auf diesen Stapel auf den Pick-up und lassen sie mithilfe eines Hakens zu einem „Fangteam“ hinab. Mit einem Auto waren ca. 10 Leute beschäftigt. Die Futterkosten pro Schwein sind auch dadurch ca. 15 Euro höher als in den Niederlanden. Und sonst: Nach einer Woche mit morgens Reis, mittags Reis und abends Reis reicht mir Reis jetzt erstmal…“